Einstieg und Ausstieg

Stop-Loss setzen, ohne ständig ausgestoppt zu werden

Von Carsten Umland · Stand: · 7 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet

Ein Stop-Loss gehört unter die Seitwärtsphase, aus der Sie eingestiegen sind – und zwar mit so viel Abstand, dass die übliche Schwankung der Aktie ihn nicht auslöst. Ist der Abstand zur Seitwärtsphase kleiner als die normale Schwankungsbreite, gibt die Schwankung den Ausschlag. Wer ständig ausgestoppt wird, steigt meist zu spät ein und setzt den Stopp dann zu eng, ohne die Volatilität zu beachten.

Sie haben eine Aktie gekauft, den Stopp gesetzt – und zwei Tage später sind Sie wieder draußen. Kurz danach läuft die Aktie genau in die Richtung, die Sie erwartet hatten. Wenn sich das wiederholt, liegt es selten am Pech. Meist liegt es am Einstieg und daran, wie der Stopp gesetzt wurde. In diesem Artikel erfahren Sie, wo der erste Stopp hingehört und was danach mit ihm passiert.

Was ist ein Stop-Loss?

Ein Stop-Loss ist eine Order, die eine Aktie automatisch verkauft, sobald ihr Kurs ein festgelegtes Niveau erreicht oder unterschreitet. Er begrenzt den Verlust, bevor er groß wird.

Der Stopp wird beim Einstieg festgelegt. Das ist der einzige Moment, in dem Sie die volle Kontrolle haben: Sie entscheiden, was Sie im ungünstigsten Fall verlieren. Danach entscheidet der Markt. Wie Einstieg und Stopp zusammenhängen, lesen Sie im Leitartikel Nicht hinterherlaufen: Einsteigen nach dem Rücksetzer.

Wo gehört der erste Stopp hin?

Unter die Seitwärtsphase, aus der die Aktie nach einem Rücksetzer ausgebrochen ist. Dort liegt das Tief, das der Markt gerade gebildet hat. Fällt der Kurs darunter, ist das Szenario, auf das Sie gesetzt haben, nicht eingetreten.

Das ist der erste Ansatzpunkt. Der zweite ist die Schwankung der Aktie.

Warum muss die Schwankung den Abstand mitbestimmen?

Weil jede Aktie unterschiedlich stark schwankt. Liegt der Stopp innerhalb der normalen Schwankung, löst ihn eine ganz gewöhnliche Tagesbewegung aus – obwohl sich am Trend nichts geändert hat.

Volatilität: Volatilität beschreibt, wie stark der Kurs einer Aktie schwankt. Ein gängiges Maß dafür ist die Average True Range (ATR), die durchschnittliche tägliche Schwankungsbreite über einen bestimmten Zeitraum.

Für den Abstand vergleiche ich deshalb zwei Werte: den Abstand vom Einstieg bis unter die Seitwärtsphase und die übliche Schwankungsbreite der Aktie. Der größere Wert gewinnt. Ist die Seitwärtsphase sehr eng, die Aktie aber schwankungsfreudig, bestimmt die Schwankung den Abstand. So hat die Aktie genug Spielraum, um sich normal zu bewegen.

Situation Was den Abstand bestimmt
Seitwärtsphase breiter als die übliche Schwankung die Seitwärtsphase – der Stopp kommt unter ihr Tief
Seitwärtsphase enger als die übliche Schwankung die Schwankung – sonst fliegen Sie bei einer normalen Bewegung heraus

Neben der einzelnen Aktie zählt auch der Gesamtmarkt. Schwankt der ganze Markt gerade stärker als sonst, schwanken auch die Aktien darin stärker. Beides gehört in die Überlegung.

Warum werden so viele ständig ausgestoppt?

Meist ist es eine Kombination aus zu spätem Einstieg und zu engem Stopp.

Das beginnt beim Timing. Viele warten auf die Bestätigung, dass die Aktie wirklich läuft, und steigen dann ein. Nur: Der Bereich, in dem sie einsteigen, ist oft genau der Bereich, in dem andere schon Gewinne mitnehmen. Kommt jetzt eine kleine Korrektur, und die kommt fast immer, stehen die späten Käufer sofort im Minus.

Setzen sie dann einen engen Stopp, ohne die Schwankung der Aktie und des Marktes zu beachten, fliegen sie heraus. Und häufig läuft die Aktie danach weiter. Mehr zum Unterschied zwischen frühem und spätem Einstieg lesen Sie in Rücksetzer oder Trendwende? Der Unterschied.

Wer dagegen direkt aus der Seitwärtsphase einsteigt, nutzt die spätere Bestätigung, um Gewinne zu machen, statt auf sie zu warten.

Was passiert nach dem Einstieg mit dem Stopp?

Er wandert mit – aber nur nach oben, nie nach unten. Dahinter steht ein einfacher Grundsatz: erst das Risiko minimieren, dann die Gewinne maximieren.

  1. Risiko begrenzen: Zu Beginn liegt der Stopp mit ausreichend Spielraum unter der Seitwärtsphase.
  2. Risiko eliminieren: Hat sich die Aktie deutlich in die gewünschte Richtung bewegt, ziehe ich den Stopp auf den Einstiegskurs. Ab dann kann aus diesem Trade kein Verlust mehr werden, abgesehen von Kurslücken.
  3. Gewinne sichern: Erst danach geht es darum, den Stopp weiter nachzuziehen und einen Teil des Gewinns abzusichern.
Vom ersten Stopp zum nachgezogenen StoppSchematische Darstellung mit erfundenem Verlauf: Eine Aktie bricht aus einer Seitwärtsphase nach oben aus. Der erste Stopp liegt mit Spielraum unter der Seitwärtsphase. Hat sich der Kurs deutlich in die gewünschte Richtung bewegt, wird der Stopp auf den Einstiegskurs gezogen, das Risiko ist damit eliminiert. Danach wird er schrittweise nachgezogen, um Gewinne zu sichern. Der Stopp bewegt sich nur nach oben, nie nach unten.Seitwärtsphase1 · Begrenzenmit Spielraum2 · EinstandRisiko eliminiert3 · NachziehenGewinne sichernEinstiegStoppnur nach oben,nie nach untenKursErst das Risiko minimieren, dann die Gewinne maximieren.
Der Stopp hat drei Aufgaben nacheinander: erst das Risiko begrenzen, dann – sobald der Kurs deutlich gelaufen ist – das Risiko eliminieren, danach Gewinne sichern. Schematische Darstellung, keine echten Kursdaten, keine festen Nachzieh-Regeln. Quelle: eigene Darstellung, Carsten Umland.

Wie genau und in welchen Schritten Sie nachziehen, ist ein eigenes Thema. Entscheidend ist die Reihenfolge: Bevor Sie über Gewinne nachdenken, sollte das Risiko aus dem Trade heraus sein. Und ein Stopp, der einmal nachgezogen wurde, wird nicht wieder nach unten gesetzt. Wer das tut oder einen Verlust-Trade kurzerhand zur langfristigen Anlage erklärt, hebelt seine eigene Absicherung aus.

Wie viele Aktien Sie kaufen können, hängt übrigens direkt vom Abstand zum Stopp ab: Je weiter der Stopp entfernt ist, desto weniger Aktien sind bei gleichem Risiko möglich.

So gehe ich selbst vor

Ich arbeite ausschließlich mit echten Stopp-Orders, nie mit einem Stopp im Kopf. Der erste Stopp kommt unter die Seitwärtsphase, und ich prüfe, ob der Abstand zur Schwankung der Aktie passt. Ist die Schwankung größer, bekommt die Aktie mehr Platz.

Für das, was danach passiert, habe ich früher gern das Bild vom Lasso benutzt. Ein Cowboy macht die Schlinge erst weit, um das Rind überhaupt einzufangen. Hat er es, zieht er sie zu. Beim Stopp ist es ähnlich: Am Anfang braucht die Aktie Spielraum, damit sie nicht bei der ersten Schwankung herausfliegt. Hat sie sich deutlich in meine Richtung bewegt, ziehe ich zu – erst auf Einstand, dann Schritt für Schritt weiter.

Jedes Trading-Szenario hat bei mir einen Zielbereich. Läuft eine Aktie darüber hinaus, ist das für mich der Bonus. Weil der Einstieg dann schon weit unter dem aktuellen Kurs liegt, kann ich der Position wieder etwas mehr Luft geben und sie längerfristig laufen lassen. So werden aus Trading-Szenarien manchmal Positionen, die ich lange halte. Ich schaue mir einen Trade deshalb vor allem an zwei Stellen genau an: beim Einstieg und wenn er in den Zielbereich kommt.

Vor Quartalszahlen versuche ich, nicht mehr investiert zu sein. Ganz ehrlich: Das gelingt nicht immer. Und manchmal öffnet eine Aktie über Nacht mit einer Kurslücke unter dem Stopp. Das ist die Ausnahme, aber sie kommt vor, und sie gehört zum Risiko dazu.

Das Wichtigste in Kürze

  • Der erste Stopp gehört unter die Seitwärtsphase, aus der die Aktie ausgebrochen ist.
  • Der Abstand muss mindestens der üblichen Schwankung der Aktie entsprechen. Von Seitwärtsphase und Schwankung gewinnt der größere Wert.
  • Ständiges Ausstoppen hat meist zwei Ursachen: zu später Einstieg und ein zu enger Stopp ohne Blick auf die Volatilität von Aktie und Gesamtmarkt.
  • Nach dem Einstieg gilt: erst das Risiko minimieren, dann die Gewinne maximieren. Der Stopp wandert nur nach oben, nie nach unten.
  • Echte Stopp-Orders statt Stopp im Kopf. Kurslücken über Nacht lassen sich nicht ganz vermeiden, deshalb lieber vor Quartalszahlen raus.

Häufige Fragen

Wo setze ich den Stop-Loss bei Aktien?
Unter das Tief der Seitwärtsphase, aus der die Aktie nach einem Rücksetzer ausgebrochen ist. Zusätzlich muss der Abstand mindestens der üblichen Schwankungsbreite der Aktie entsprechen. Von beiden Abständen gilt der größere.
Warum werde ich ständig ausgestoppt?
Meist aus zwei zusammenhängenden Gründen: Der Einstieg kommt zu spät, oft erst nach mehreren Bestätigungen, und der Stopp wird dann eng gesetzt, ohne die Schwankung der Aktie und des Gesamtmarkts zu berücksichtigen. Schon eine kleine, völlig normale Korrektur reicht dann aus, um den Stopp auszulösen.
Sollte ich einen mentalen Stopp oder eine echte Stopp-Order nutzen?
Ich arbeite ausschließlich mit echten Stopp-Orders im Markt. Ein mentaler Stopp verlangt, dass Sie im entscheidenden Moment verkaufen – genau dann, wenn es am schwersten fällt. Eine echte Order nimmt Ihnen diese Entscheidung ab.
Darf man einen Stopp nach unten verschieben?
Nein. Der Stopp bewegt sich nur in eine Richtung: nach oben. Wer ihn nach unten verschiebt, vergrößert das Risiko genau in dem Moment, in dem die Aktie gegen ihn läuft – und macht aus einem kleinen Verlust oft einen großen.
Was passiert mit dem Stopp bei Kurslücken nach Quartalszahlen?
Öffnet eine Aktie über Nacht deutlich unter dem Stopp, wird sie zum nächsten verfügbaren Kurs verkauft, also unter dem geplanten Niveau. Dieses Risiko lässt sich nicht ganz vermeiden. Ich versuche deshalb, vor Quartalszahlen nicht mehr investiert zu sein – auch wenn das nicht immer gelingt.

Keine Anlageberatung. Dieser Artikel vermittelt Wissen über ein methodisches Vorgehen und ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden. Kursverluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Risikohinweis

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