Sie haben einen starken Sektor gefunden. Jetzt stehen Sie vor Dutzenden oder Hunderten Aktien – und fragen sich, welche davon wirklich stark ist und welche nur mitläuft. In diesem Artikel erfahren Sie, auf welche zwei Dinge ich bei jeder Aktie achte, warum starke Aktien so oft stark bleiben und welcher Fehler Einsteiger am häufigsten um gute Gelegenheiten bringt.
Warum bleiben starke Aktien oft stark?
Weil die Gründe für ihre Stärke meist nicht über Nacht verschwinden. Ein Unternehmen, dessen Umsatz und Gewinn Quartal für Quartal schneller wachsen, ändert sein Geschäft nicht von heute auf morgen. Und große Anleger, die eine Aktie entdeckt haben, kaufen nicht an einem Tag, sondern bauen ihre Position über Wochen und Monate auf.
Beides zusammen sorgt dafür, dass Stärke oft anhält. Das ist auch der Grund, warum es sich lohnt, gezielt nach Stärke zu suchen, statt nach Aktien, die „günstig“ aussehen, weil sie stark gefallen sind.
Starke Aktie: Eine starke Aktie ist eine Aktie, die sich über längere Zeit besser entwickelt als der Gesamtmarkt und aus einem Sektor stammt, der selbst Stärke zeigt.
Wie Sie den passenden Sektor finden, lesen Sie im Leitartikel Wo das Geld gerade hinfließt: Starke Sektoren erkennen.
Welche Zahlen zeigen, dass eine Aktie wirklich stark ist?
Das Wichtigste ist das Zusammenspiel von Umsatz und Gewinn: Beide sollen wachsen – und zwar von Quartal zu Quartal stärker. Im Englischen nennt man das Acceleration, also Beschleunigung.
Es reicht nicht, dass ein Unternehmen wächst. Entscheidend ist, dass das Wachstum zunimmt. Und es kommt auf beide Zahlen an:
| Was Sie sehen | Was es bedeutet |
|---|---|
| Umsatz und Gewinn wachsen, und zwar immer schneller | Das stärkste Bild. Das Geschäft läuft, und es läuft immer besser. |
| Gewinn wächst, Umsatz stagniert | Vorsicht. Der Gewinn kommt dann oft aus Kostensenkungen, und die sind irgendwann ausgereizt. |
| Umsatz wächst, Gewinn bricht ein | Warnzeichen. Das Wachstum wird teuer erkauft, etwa durch hohe Investitionen oder sinkende Margen. |
| Beides wächst, aber immer langsamer | Noch kein Problem, aber die Dynamik lässt nach. Genau hinschauen. |
Lässt eine der beiden Zahlen nach, ist das für mich immer ein Warnzeichen. Welche Kennzahlen Sie dafür genau anschauen und wo Sie sie finden, lesen Sie im Artikel Gewinn- und Umsatzwachstum: Welche Zahlen wirklich zählen.
Was verrät das Handelsvolumen?
Das Handelsvolumen zeigt, wie viel Interesse hinter einer Kursbewegung steckt. Es ist der zweite Punkt, auf den ich bei jeder Aktie achte.
Handelsvolumen: Das Handelsvolumen ist die Zahl der Aktien, die an einem Tag oder in einer Woche gehandelt werden.
Steigt eine Aktie bei hohem Volumen, kaufen viele Anleger mit – oft auch große, die über Wochen nachkaufen. Das ist ein gutes Zeichen. Steigt die Aktie dagegen seit Wochen und das Volumen ebbt plötzlich ab, kauft kaum noch jemand nach. Auch in einem steigenden Markt ist das eine klare Aussage: Das Interesse lässt nach.
Wichtig ist deshalb immer die Kombination. Gute Quartalszahlen allein reichen nicht, wenn sich niemand mehr für die Aktie interessiert. Und ein Kurssprung bei hohem Volumen ist wenig wert, wenn Umsatz und Gewinn ihn nicht stützen. Erst wenn beides zusammenpasst, haben Sie eine starke Aktie vor sich.
Bevor Sie so genau hinschauen, lohnt sich ein grober Filter: Mit wenigen Grundkriterien sortieren Sie das Gros der Aktien schnell aus. Wie das geht, lesen Sie im Artikel In 15 Minuten aussieben: Diese Grundkriterien filtern das Gros heraus.
Welcher Fehler kostet Einsteiger die meisten Chancen?
Der größte Fehler ist die Abkürzung: die Handelsplattform öffnen und sofort handeln wollen, statt vorher die eigene Arbeit zu machen.
Das sieht in der Praxis so aus: Eine Aktie taucht in einem YouTube-Video auf, wird in einem Börsenbrief erwähnt oder steht in der Zeitung. Sie klingt überzeugend, also wird sie gekauft. Dahinter steckt ein bequemer Gedanke: „Die werden das schon recherchiert haben. Die haben mehr Informationen als ich.“
Genau das stimmt heute aber nicht mehr. Im Internetzeitalter haben Sie grundsätzlich Zugang zu denselben Informationen wie alle anderen: Quartalszahlen, Charts, Handelsvolumen. Der Unterschied liegt nicht in den Informationen, sondern darin, ob Sie wissen, wonach Sie suchen. Ohne Plan ertrinken Sie in der Informationsflut. Mit einer klaren Struktur wird daraus ein Vorteil.
Wer die Verantwortung abgibt, hat noch ein zweites Problem: Er rennt dem nächsten Hype hinterher, handelt emotional und kann später nicht einschätzen, ob die Gründe für den Kauf noch gelten. Er weiß ja nicht, welche das waren.
Anregungen von außen sind trotzdem nicht verboten. Der Unterschied ist, was Sie damit machen: Eine Anregung prüfen Sie mit Ihren eigenen Regeln. Eine Entscheidung übernehmen Sie nicht ungeprüft.
So gehe ich selbst vor
Bei jeder Aktie aus einem starken Sektor schaue ich auf zwei Dinge. Erstens: Wachsen Umsatz und Gewinn, und zwar von Quartal zu Quartal stärker? Zweitens: Steigt die Aktie bei hohem Handelsvolumen, und kaufen große Anleger nach oder geben sie ab? Erst wenn beides zusammenpasst, kommt eine Aktie auf meine Liste für mögliche Trading-Szenarien.
Bei Einsteigern sehe ich immer wieder, dass sie diese Arbeit am Anfang als mühsam empfinden – und das ist sie auch. Deshalb ist die Versuchung so groß, sie abzukürzen. Was ihnen dabei fehlt, sind Referenzerlebnisse.
Ein Referenzerlebnis entsteht, wenn Sie einmal selbst sauber recherchiert haben: Markt, Sektor, Aktie, Schritt für Schritt nach Ihrer Methode – und die Aktie, die Sie so gefunden haben, entwickelt sich tatsächlich deutlich besser als der Markt. Dieses eine Erlebnis erinnert Sie danach immer wieder daran, dass Sie keinen Tipp von außen brauchen. Sie müssen nur Ihre Arbeit machen, Schritt für Schritt.
Solche Erlebnisse können Sie übrigens auch ohne echtes Geld sammeln. Spielen Sie die Auswahl ein paar Wochen lang im Demokonto oder auf dem Papier durch, notieren Sie Ihre Gründe und schauen Sie nach, wie sich Ihre Auswahl entwickelt. Ihr Vertrauen in die eigene Analyse wächst damit, bevor Ihr eigenes Geld im Spiel ist.
Das Wichtigste in Kürze
- Starke Aktien bleiben oft stark, weil die Gründe für ihre Stärke meist über Monate wirken.
- Achten Sie darauf, dass Umsatz und Gewinn gemeinsam wachsen – und zwar von Quartal zu Quartal schneller.
- Steigende Kurse bei hohem Handelsvolumen zeigen echtes Interesse. Ebbt das Volumen im Anstieg ab, kauft kaum noch jemand nach.
- Der größte Fehler ist die Abkürzung über fremde Tipps. Prüfen Sie jede Anregung mit Ihren eigenen Regeln.
- Eigene Referenzerlebnisse – auch im Demokonto – geben Ihnen das Vertrauen, bei Ihrer Methode zu bleiben.
Häufige Fragen
- Woran erkenne ich eine starke Aktie?
- Eine starke Aktie entwickelt sich über längere Zeit besser als der Gesamtmarkt und stammt aus einem Sektor, der selbst Stärke zeigt. Dahinter stehen meist Umsatz und Gewinn, die von Quartal zu Quartal schneller wachsen, und Kursanstiege bei hohem Handelsvolumen.
- Was bedeutet beschleunigtes Gewinnwachstum?
- Beschleunigtes Wachstum bedeutet, dass ein Unternehmen nicht nur wächst, sondern von Quartal zu Quartal stärker wächst als zuvor. Im Englischen spricht man von Acceleration. Wichtig ist, dass Umsatz und Gewinn gemeinsam zulegen – Gewinn ohne Umsatzwachstum hält meist nicht lange.
- Warum ist das Handelsvolumen wichtig?
- Das Handelsvolumen zeigt, wie viel Interesse hinter einer Kursbewegung steckt. Steigt eine Aktie bei hohem Volumen, kaufen viele Anleger mit, oft auch große. Steigt sie weiter, während das Volumen abebbt, kauft kaum noch jemand nach – das ist ein Warnzeichen.
- Sind Aktientipps aus Börsenbriefen oder von YouTube sinnvoll?
- Als Anregung können sie nützlich sein, als Entscheidung nicht. Wer einen Tipp ohne eigene Prüfung übernimmt, gibt die Verantwortung ab und kann später nicht einschätzen, ob die Gründe für den Kauf noch gelten. Prüfen Sie jede Anregung mit Ihren eigenen Regeln.
Keine Anlageberatung. Dieser Artikel vermittelt Wissen über ein methodisches Vorgehen und ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden. Kursverluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Risikohinweis