Starke Sektoren und Aktien finden

Gewinn- und Umsatzwachstum: Welche Zahlen wirklich zählen

Von Carsten Umland · Stand: · 8 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet

Bei einer Aktie zählen vor allem drei Dinge: ein tragfähiges Geschäftsmodell, wachsender Umsatz und ein wachsender Gewinn je Aktie (englisch: EPS, Earnings per Share). Vergleichen Sie beide Zahlen immer mit demselben Quartal des Vorjahres und achten Sie darauf, ob das Wachstum zunimmt. Ergänzend gehören wichtige Unternehmensmeldungen dazu, etwa ein Wechsel an der Spitze. Die Zahlen finden Sie kostenlos, zum Beispiel bei Yahoo Finance.

Quartalszahlen, Bilanzen, Kennzahlen ohne Ende: Wer zum ersten Mal die Finanzseite einer Aktie öffnet, sieht vor lauter Zahlen oft nichts mehr. Dabei brauchen Sie für die Auswahl starker Aktien nur sehr wenige davon. In diesem Artikel erfahren Sie, welche das sind, wo Sie sie kostenlos finden und was Sie getrost weglassen können. So sind Sie in wenigen Minuten pro Aktie durch.

Welche Zahlen zählen bei einer Aktie wirklich?

Es sind drei Dinge: ein tragfähiges Geschäftsmodell, der Umsatz und der Gewinn je Aktie. Dazu kommen wichtige Unternehmensmeldungen, die die Zahlen über Nacht in ein anderes Licht rücken können.

Was Die Frage dahinter Wo Sie es finden
Geschäftsmodell Womit verdient das Unternehmen sein Geld – und hat das Zukunft? Unternehmensprofil, Website des Unternehmens
Umsatz Wie viel setzt das Unternehmen mit seinen Produkten um, und wie stark wächst das? „Revenue“ oder „Sales“
Gewinn je Aktie Wie viel bleibt pro Aktie hängen, und wie stark wächst das? „EPS“
Unternehmensmeldungen Gibt es Ereignisse, die das Bild verändern, etwa einen Wechsel an der Spitze? Nachrichten, Pflichtmeldungen

Alles andere ist für die Auswahl starker Aktien zweitrangig. Das heißt nicht, dass es unwichtig ist. Aber wer mit diesen vier Punkten beginnt, hat das Wesentliche abgedeckt.

Warum zuerst das Geschäftsmodell?

Weil die besten Zahlen nichts nützen, wenn das Geschäft dahinter keine Zukunft hat. Bevor ich mir eine einzige Kennzahl anschaue, frage ich: Womit verdient dieses Unternehmen eigentlich sein Geld? Und ist das ein Modell, das auch in den nächsten Jahren funktioniert?

Das klingt banal, wird aber oft übersprungen. Wer nicht versteht, was ein Unternehmen macht, kann auch nicht einschätzen, ob ein starkes Quartal der Anfang eines Trends ist oder ein einmaliger Ausreißer.

Wie lesen Sie Umsatz und Gewinn je Aktie?

Sie schauen, ob beide Zahlen wachsen – und ob das Wachstum von Quartal zu Quartal zunimmt.

Umsatz: Der Umsatz ist das Geld, das ein Unternehmen mit dem Verkauf seiner Produkte und Dienstleistungen einnimmt. Auf den Finanzseiten heißt er meist „Revenue“ oder „Sales“.

Gewinn je Aktie: Der Gewinn je Aktie ist der Gewinn des Unternehmens geteilt durch die Zahl seiner Aktien. Im Englischen heißt er Earnings per Share, kurz EPS.

Zum Gewinn je Aktie gibt es oft mehrere Varianten, die je nach Berechnung leicht voneinander abweichen. Dafür müssen Sie kein Bilanzexperte werden. Wichtig ist nur eins: Vergleichen Sie immer dieselbe Variante miteinander, sonst vergleichen Sie Äpfel mit Birnen.

Und vergleichen Sie immer mit dem richtigen Quartal:

Quartalsumsatz richtig vergleichenSchematische Darstellung des Umsatzes über acht Quartale mit einem starken vierten Quartal durch das Weihnachtsgeschäft. Vergleicht man das erste Quartal von Jahr 2 mit dem vierten Quartal von Jahr 1, sieht es nach einem Einbruch aus. Vergleicht man es richtig mit dem ersten Quartal von Jahr 1, zeigt sich Wachstum.Umsatz je Quartal, Geschäft mit starkem WeihnachtsquartalQ1Q2Q3Q4Q1Q2Q3Q4Jahr 1Jahr 2Richtig: mit dem VorjahresquartalIrreführend:mit dem Vorquartal
Viele Unternehmen haben starke und schwache Quartale im Jahresverlauf. Deshalb vergleichen Sie Umsatz und Gewinn immer mit demselben Quartal des Vorjahres. Schematische Darstellung, keine echten Unternehmensdaten. Quelle: eigene Darstellung, Carsten Umland.

Viele Unternehmen haben im Jahresverlauf starke und schwache Quartale. Ein Händler macht im Weihnachtsquartal mehr Umsatz als im Frühjahr. Wer das erste Quartal mit dem vierten vergleicht, sieht einen Einbruch, der keiner ist. Der Vergleich mit demselben Quartal des Vorjahres zeigt das echte Wachstum.

Worauf Sie dann achten, zeigt diese Übersicht:

Was Sie sehen Was es bedeutet
Umsatz und Gewinn je Aktie wachsen, und zwar immer schneller Das stärkste Bild. Im Englischen spricht man von Acceleration.
Gewinn je Aktie wächst, Umsatz stagniert Vorsicht. Der Gewinn kommt dann oft aus Kostensenkungen, und die sind irgendwann ausgereizt.
Umsatz wächst, Gewinn je Aktie bricht ein Warnzeichen. Das Wachstum wird teuer erkauft.
Beides wächst, aber immer langsamer Die Dynamik lässt nach. Genau hinschauen.

Warum beschleunigtes Wachstum so wichtig ist und wie es mit dem Handelsvolumen zusammenspielt, lesen Sie im Artikel Warum starke Aktien oft stark bleiben.

Warum sind Unternehmensmeldungen so wichtig?

Weil sie das Bild schneller verändern können als jede Quartalszahl. Ein neuer Vorstandschef, ein wichtiger Manager, der das Unternehmen verlässt, eine überraschende Übernahme: Solche Ereignisse können eine Aktie, die eben noch alle Kriterien erfüllt hat, von heute auf morgen einbrechen lassen.

In Deutschland heißen solche Pflichtmeldungen Ad-hoc-Mitteilungen. US-Unternehmen melden wichtige Ereignisse, darunter auch personelle Wechsel in der Führung, bei der Börsenaufsicht SEC in einem sogenannten Form 8-K. Sie müssen diese Meldungen nicht im Original lesen. Aber Sie sollten mitbekommen, wenn sich bei einem Unternehmen auf Ihrer Liste an der Spitze etwas tut. Die meisten Finanzseiten zeigen die aktuellen Nachrichten direkt unter den Kursdaten an.

Was können Sie getrost weglassen?

Für die Auswahl starker Aktien nach Wachstum vor allem die Dividende. Sie ist angenehm, sagt aber wenig darüber aus, ob ein Unternehmen gerade schneller wächst als andere. Wer eine Aktie wegen ihrer Dividende kauft, verfolgt eine Dividendenstrategie – das ist ein anderer Ansatz mit anderen Regeln.

Eine Rolle spielt die Dividende höchstens beim Timing: Am sogenannten Ex-Dividenden-Tag sinkt der Kurs in der Regel um ungefähr den Betrag der Ausschüttung. Das sollten Sie kennen, damit Sie den Kursrückgang nicht falsch deuten. Für die Frage, ob eine Aktie stark ist, ist es aber nicht entscheidend.

Wo finden Sie die Zahlen?

Kostenlos auf den gängigen Finanzseiten:

  • Yahoo Finance und Google Finance: Umsatz unter „Revenue“ oder „Sales“, Gewinn je Aktie unter „EPS“, dazu die aktuellen Nachrichten.
  • Finviz: Eine kompakte Übersicht mit vielen Kennzahlen auf einen Blick, beliebt für den schnellen Überblick.
  • TradingView: Hier können Sie die Quartalszahlen direkt im Chart einblenden und sehen sofort, wie der Kurs auf die Zahlen reagiert hat.

Bevor Sie Aktien einzeln so genau prüfen, lohnt sich ein grober Filter vorab. Wie Sie das Gros mit wenigen Grundkriterien schnell aussortieren, lesen Sie im Artikel In 15 Minuten aussieben: Diese Grundkriterien filtern das Gros heraus.

So gehe ich selbst vor

Bei jeder Aktie, die aus einem starken Sektor auf meine Liste kommt, gehe ich dieselbe Reihenfolge durch. Zuerst das Geschäftsmodell: Was macht das Unternehmen, und ist das tragfähig? Dann der Gewinn je Aktie: Wächst er, und wächst er schneller als zuvor? Dann der Umsatz: Zieht er mit, oder kommt der Gewinn nur aus Sparmaßnahmen? Und zum Schluss die Meldungen: Gibt es Wechsel in der Führung oder andere Ereignisse, die das Bild verändern?

Personelle Veränderungen schaue ich mir dabei sehr genau an. Ich habe es erlebt, dass bei einem Unternehmen alle Zahlen gestimmt haben – und dann wechselte der Chef, und auf einmal war alles Schall und Rauch. Der Kurs brach ein, obwohl sich an den Quartalszahlen nichts geändert hatte. Solche Wechsel bekommen Sie nur über die Meldungen mit. Aber Sie bekommen sie mit, wenn Sie hinschauen.

Was ich dagegen bewusst ausblende, ist die Dividende. Sie ist nett, aber für meine Auswahl kein Kriterium. Dazu kommen bei mir noch ein paar Punkte aus der Chartanalyse. Auf der fundamentalen Seite sind es aber genau diese vier: Geschäftsmodell, Gewinn je Aktie, Umsatz und Meldungen.

Das Wichtigste in Kürze

  • Für die Auswahl starker Aktien zählen vor allem Geschäftsmodell, Umsatz und Gewinn je Aktie (EPS).
  • Vergleichen Sie Umsatz und Gewinn immer mit demselben Quartal des Vorjahres, nicht mit dem Vorquartal.
  • Am stärksten ist das Bild, wenn beide Zahlen wachsen und das Wachstum zunimmt.
  • Wichtige Meldungen wie ein Wechsel an der Unternehmensspitze können das Bild über Nacht verändern.
  • Die Dividende ist für die Auswahl nach Wachstum kein Kriterium. Die Zahlen finden Sie kostenlos, etwa bei Yahoo Finance, Finviz oder TradingView.

Häufige Fragen

Was ist EPS?
EPS steht für Earnings per Share, auf Deutsch Gewinn je Aktie. Es ist der Gewinn eines Unternehmens geteilt durch die Zahl seiner Aktien. Weil sich die Zahl der Aktien ändern kann, ist der Gewinn je Aktie aussagekräftiger als der Gesamtgewinn.
Wo finde ich Umsatz und Gewinn je Aktie kostenlos?
Zum Beispiel bei Yahoo Finance, Google Finance oder Finviz. Den Umsatz finden Sie dort unter „Revenue“ oder „Sales“, den Gewinn je Aktie unter „EPS“. In TradingView lassen sich die Quartalszahlen direkt im Chart einblenden.
Warum vergleicht man mit dem Vorjahresquartal?
Weil viele Unternehmen im Jahresverlauf starke und schwache Quartale haben, etwa durch das Weihnachtsgeschäft. Ein Vergleich mit dem direkt vorangehenden Quartal kann deshalb täuschen. Der Vergleich mit demselben Quartal des Vorjahres zeigt das echte Wachstum.
Ist eine hohe Dividende ein Zeichen für eine starke Aktie?
Nicht unbedingt. Eine Dividende sagt wenig darüber aus, ob ein Unternehmen gerade schneller wächst. Wer gezielt Dividenden sucht, verfolgt eine eigene Strategie – für die Auswahl starker Aktien nach Wachstum spielt sie kaum eine Rolle.

Quellen

  1. U.S. Securities and Exchange Commission (Investor.gov): Form 8-K (Stand 10/2026)

Keine Anlageberatung. Dieser Artikel vermittelt Wissen über ein methodisches Vorgehen und ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden. Kursverluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Risikohinweis

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