Starke Sektoren und Aktien finden

In 15 Minuten aussieben: Diese Grundkriterien filtern das Gros heraus

Von Carsten Umland · Stand: · 7 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet

Mit vier Grundkriterien lässt sich der Großteil aller Aktien in wenigen Minuten aussortieren: eine Marktkapitalisierung über 2 Milliarden US-Dollar, ein Kurs über 10 US-Dollar, ein Kurs über der 100-Tage-Linie und relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt. Übrig bleibt eine kleine Beobachtungsliste von Aktien, die bereits im Aufwärtstrend sind und besser laufen als der Markt. Ein Kaufsignal ist das noch nicht.

Allein an den US-Börsen werden mehrere Tausend Aktien gehandelt. Niemand kann sie alle anschauen – und wer es versucht, landet am Ende bei den Aktien, über die gerade alle reden. In diesem Artikel erfahren Sie, mit welchen vier Kriterien ich das Gros in wenigen Minuten aussortiere, warum jedes davon zählt und was nach dem Filter kommt.

Warum sollten Sie Aktien überhaupt vorfiltern?

Weil feste Regeln die Reihenfolge umdrehen: Erst sortieren sie aus, was nicht in Frage kommt. Erst danach schauen Sie sich den Rest genauer an. Das spart Zeit und schützt vor dem Bauchgefühl.

Aktienfilter: Ein Aktienfilter (auch Screener) ist ein Werkzeug, das alle Aktien eines Marktes nach festen Kriterien durchsucht und nur die übrig lässt, die alle Bedingungen erfüllen.

Den Filter setze ich erst ein, wenn ich weiß, welche Sektoren gerade Stärke zeigen. Wie Sie die finden, lesen Sie im Leitartikel Wo das Geld gerade hinfließt: Starke Sektoren erkennen.

Welche vier Grundkriterien filtern das Gros heraus?

Vier Kriterien reichen für die erste Auswahl. Die ersten beiden sortieren nach der Qualität des Handels, die letzten beiden nach der Stärke der Aktie.

Kriterium Einstellung Was es aussortiert
Unternehmensgröße Marktkapitalisierung über 2 Mrd. US-Dollar Kleine, illiquide Werte, die sich mit wenig Geld bewegen lassen
Aktienkurs über 10 US-Dollar Spekulative Billigaktien, die große Investoren oft meiden
Trend Kurs über der 100-Tage-Linie Aktien, die mittelfristig fallen oder seitwärts laufen
Relative Stärke besser als der Gesamtmarkt über mehrere Monate Aktien, die zwar steigen, aber schwächer als der Index
Aktienfilter als TrichterSchematische Darstellung als Trichter mit fünf Stufen: Von allen US-Aktien bleiben nach den Kriterien Größe, Kurs, Trend und relative Stärke immer weniger übrig. Am Ende steht eine kleine Beobachtungsliste, kein Kaufsignal.Alle US-AktienGrößeüber 2 Mrd. US-DollarKursüber 10 US-DollarTrendüber der 100-Tage-LinieRelative Stärkebesser als der MarktBEOBACHTUNGSLISTEnoch kein Kaufsignal
So arbeitet der Filter: Jede Stufe sortiert einen Teil der Aktien aus, übrig bleibt eine kleine Beobachtungsliste. Schematische Darstellung, keine echten Daten. Quelle: eigene Darstellung, Carsten Umland.

Warum eine Mindestgröße von 2 Milliarden US-Dollar?

Weil große Unternehmen liquide gehandelt werden.

Marktkapitalisierung: Die Marktkapitalisierung ist der Börsenwert eines Unternehmens – Aktienkurs mal Anzahl der Aktien.

Unterhalb dieser Grenze wird es eng: Die Umsätze sind dünn, die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs ist breiter, und schon einzelne größere Orders können den Kurs deutlich bewegen. Außerdem können Fonds und andere große Investoren dort kaum in nennenswertem Umfang einsteigen. Genau dieses Geld treibt aber nachhaltige Trends.

Warum ein Kurs über 10 US-Dollar?

Weil billige Aktien selten billig sind, sondern meist aus gutem Grund wenig kosten. Aktien unter 10 US-Dollar sind häufig Unternehmen in Schwierigkeiten oder reine Spekulationswerte. Viele große Investoren meiden sie grundsätzlich.

Der niedrige Preis verleitet zu einem Denkfehler: „Davon bekomme ich viele Stück.“ Für das Ergebnis zählt aber nicht die Stückzahl, sondern die prozentuale Bewegung – und die ist bei Billigaktien oft unberechenbar.

Warum muss der Kurs über der 100-Tage-Linie liegen?

Weil Sie damit nur Aktien behalten, die bereits im Aufwärtstrend sind.

100-Tage-Linie: Die 100-Tage-Linie ist der Durchschnitt der Schlusskurse der letzten 100 Handelstage. Liegt der Kurs darüber, ist der mittelfristige Trend intakt.

Das ist der Kern meines Ansatzes: Ich steige in bestehende Trends ein, nicht gegen sie. Eine Aktie unter der 100-Tage-Linie mag „günstig“ aussehen – sie zeigt aber, dass gerade mehr verkauft als gekauft wird. Auf eine Wende zu warten, ist kein Plan, sondern Hoffnung.

Was bedeutet relative Stärke – und wie filtern Sie danach?

Relative Stärke heißt: Die Aktie hat sich über die letzten Monate besser entwickelt als der Gesamtmarkt. Steigt der Index, steigt sie stärker. Fällt der Index, hält sie sich besser.

Ich sage dazu gern: Bei Flut schwimmen alle Boote oben – auch die mit Löchern im Boden. In einem steigenden Markt steigen auch schwache Aktien. Dass eine Aktie zulegt, sagt deshalb wenig. Entscheidend ist, ob sie mehr zulegt als der Markt. Spätestens wenn das Wasser zurückgeht, zeigt sich, welches Boot dicht ist.

Das ist der wichtigste Filter, denn er trennt die Aktien, die nur mit dem Markt mitschwimmen, von denen, in die gezielt Geld fließt. Warum diese Stärke oft anhält, lesen Sie im Artikel Warum starke Aktien oft stark bleiben.

Praktisch gibt es zwei Wege:

  1. Rangliste nutzen: Viele Analyseplattformen ordnen alle Aktien nach ihrer Kursentwicklung im Vergleich zum Markt. Sie nehmen nur die obersten Ränge.
  2. Direkt vergleichen: Sie legen den Chart der Aktie und den des Index übereinander, mit gemeinsamem Startpunkt. Läuft die Aktie über mehrere Monate darüber, ist sie relativ stark.

Was kommt nach dem Filter?

Der Filter liefert eine Beobachtungsliste, keine Kaufliste. Danach folgen drei Fragen, in dieser Reihenfolge:

  1. Gehört die Aktie zu einem starken Sektor? Die besten Chancen liegen dort, wo der ganze Sektor Stärke zeigt.
  2. Tragen die Zahlen den Trend? Wachsen Umsatz und Gewinn, idealerweise beschleunigt? Mehr dazu im Artikel Gewinn- und Umsatzwachstum: Welche Zahlen wirklich zählen.
  3. Gibt es einen sinnvollen Einstieg? Ich warte auf einen Rücksetzer im bestehenden Trend, statt einer Aktie hinterherzulaufen.

Wo liegen die Grenzen eines solchen Filters?

Ein Filter ist nur so gut wie seine Kriterien – und er kennt keinen Zusammenhang. Drei Grenzen sollten Sie kennen:

  • Er schaut nur zurück. Alle vier Kriterien beschreiben, was war. Ob der Trend weiterläuft, sagt er nicht.
  • Er übersieht frühe Phasen. Aktien, die gerade erst drehen, fallen durch, weil sie noch unter der 100-Tage-Linie liegen. Das ist gewollt: Ich verzichte lieber auf den Anfang eines Trends, als auf Fehlstarts zu setzen.
  • In schwachen Märkten bleibt wenig übrig. Fällt der Gesamtmarkt, erfüllen nur wenige Aktien die Kriterien. Das ist kein Fehler des Filters, sondern eine Information: Dann ist Zurückhaltung angebracht.

So gehe ich selbst vor

Ich lasse den Filter einmal pro Woche laufen, montags, im Rahmen meiner Wochenroutine. Vorher habe ich mir den Markt und die Sektoren angeschaut – der Filter kommt erst danach. So weiß ich schon, in welchen Sektoren ich suche, und kann die Liste sofort einordnen.

Ich filtere ausschließlich US-Aktien. Nicht, weil die Methode anderswo nicht funktioniert, sondern weil die Auswahl dort größer und die Liquidität höher ist.

Die eigentliche Arbeit am Filter dauert wenige Minuten, weil die Kriterien einmal gespeichert sind. Die Zeit geht in den zweiten Schritt: die verbliebenen Aktien Chart für Chart durchzugehen und zu entscheiden, welche auf meine Liste für mögliche Trading-Szenarien kommen. Früher habe ich das umgekehrt gemacht und mir Aktien angeschaut, die gerade in den Nachrichten waren. Mit festen Kriterien sehe ich nicht mehr nur einen Ausschnitt, sondern den ganzen Markt.

Wenn Sie das selbst durchspielen möchten: Richten Sie die vier Kriterien in einem kostenlosen Screener ein und verfolgen Sie die Liste ein paar Wochen lang im Demokonto oder auf dem Papier. So sehen Sie, wie sich die Aktien entwickeln, ohne Geld zu riskieren.

Wie der Filter in meine gesamte Vorgehensweise eingebettet ist – vom Markt über die Sektoren bis zur einzelnen Aktie –, zeige ich im kostenlosen Praxis-Guide Die Umland-Methode: 5 Prinzipien für die Auswahl starker Aktien.

Das Wichtigste in Kürze

  • Vier Kriterien sortieren das Gros aus: Marktkapitalisierung über 2 Mrd. US-Dollar, Kurs über 10 US-Dollar, Kurs über der 100-Tage-Linie, relative Stärke gegenüber dem Markt.
  • Größe und Kurs sichern einen liquiden, seriösen Handel. Trend und relative Stärke trennen starke von schwachen Aktien.
  • Bei Flut steigen alle Boote – entscheidend ist, welche Aktie stärker steigt als der Markt.
  • Das Ergebnis ist eine Beobachtungsliste, kein Kaufsignal. Sektor, Zahlen und Einstieg prüfen Sie danach.
  • Bleibt in schwachen Märkten kaum etwas übrig, ist das selbst eine wichtige Information.

Häufige Fragen

Welche Kriterien eignen sich, um Aktien zu filtern?
Für eine erste Vorauswahl reichen vier Kriterien: eine Marktkapitalisierung über 2 Milliarden US-Dollar, ein Kurs über 10 US-Dollar, ein Kurs über der 100-Tage-Linie und relative Stärke gegenüber dem Gesamtmarkt. Sie sortieren illiquide, spekulative und schwache Aktien aus.
Brauche ich dafür eine kostenpflichtige Software?
Nein. Die ersten drei Kriterien lassen sich in kostenlosen Aktien-Screenern einstellen, etwa in TradingView. Für die relative Stärke ist eine Rangliste bequem, wie sie viele Analyseplattformen anbieten. Alternativ vergleichen Sie den Chart einer Aktie direkt mit dem Index.
Warum gerade die 100-Tage-Linie?
Die 100-Tage-Linie zeigt den mittelfristigen Trend über rund fünf Monate. Liegt der Kurs darüber, ist die Aktie im Aufwärtstrend. Kürzere Linien reagieren auf jedes Tagesrauschen, längere sind zu träge.
Ist eine Aktie, die alle Kriterien erfüllt, ein Kauf?
Nein. Der Filter liefert nur eine Beobachtungsliste. Danach folgen der Blick auf den Sektor, auf Umsatz- und Gewinnentwicklung und schließlich die Frage nach einem sinnvollen Einstiegszeitpunkt – bei mir nach einem Rücksetzer im bestehenden Trend.
Funktioniert der Filter auch für deutsche Aktien?
Grundsätzlich ja, die Logik ist dieselbe. Ich wende ihn auf US-Aktien an, weil die Auswahl dort deutlich größer und die Liquidität höher ist. Bei kleineren Märkten bleiben nach dem Filter oft nur sehr wenige Titel übrig.

Keine Anlageberatung. Dieser Artikel vermittelt Wissen über ein methodisches Vorgehen und ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden. Kursverluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Risikohinweis

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