Aktien neben dem Beruf

Erst üben: Was ein Demokonto bringt – und wo seine Grenzen liegen

Von Carsten Umland · Stand: · 7 Min. Lesezeit

Kurz beantwortet

Ein Demokonto ist sinnvoll, weil Sie dort Ihren Ansatz und die Abläufe üben, ohne Ihre Erfahrung mit echtem Geld zu bezahlen. Es ist die Fahrschule fürs Trading. Zwei Dinge kann es aber nicht zeigen: wie Sie reagieren, wenn eigenes Geld auf dem Spiel steht, und wie Ihre Orders im echten Markt ausgeführt werden. Und was im Demokonto nicht funktioniert, funktioniert mit echtem Geld erst recht nicht.

Ein Konto ist heute in wenigen Minuten eröffnet, Geld schnell eingezahlt, der erste Kauf nur einen Klick entfernt. Genau das verleitet viele, sofort mit echtem Geld loszulegen. In diesem Artikel erfahren Sie, warum ein Demokonto der klügere zweite Schritt ist, was Sie dort üben sollten – und welche zwei Dinge es Ihnen nicht zeigen kann.

Wozu brauchen Sie ein Demokonto?

Aus demselben Grund, aus dem Sie eine Fahrschule brauchen. Natürlich können Sie sich ins Auto setzen, den Schlüssel umdrehen und irgendwie losfahren. Aber niemand würde ernsthaft empfehlen, so Autofahren zu lernen.

An der Börse ist es genauso. Sie können sofort ein Konto eröffnen und loslegen. Nur bezahlen Sie Ihre Erfahrung dann mit echtem Geld – und das wird teuer.

Demokonto: Ein Demokonto ist ein Übungskonto beim Broker oder in einer Handelssoftware, in dem Sie mit Spielgeld kaufen und verkaufen, ohne echtes Geld einzusetzen.

In welcher Reihenfolge gehen Sie vor?

Erst lernen, dann üben, dann klein anfangen, dann aufbauen. Das Demokonto ist dabei die zweite Stufe, nicht die erste.

  1. Den Ansatz lernen. Wie funktioniert die Börse, woran erkennen Sie Trends und starke Aktien? Dafür brauchen Sie noch gar kein Demokonto.
  2. Im Demokonto üben. Jetzt prüfen Sie, ob der Ansatz, den Sie gelernt haben, in der Praxis funktioniert.
  3. Im echten Konto klein beginnen. Mit kleinen Positionsgrößen prüfen Sie die Abläufe: Wie wird die Order ausgeführt, wie greift der Stopp?
  4. Schrittweise aufbauen – immer im Rahmen Ihres eigenen Risikomanagements und so, dass Sie sich dabei wohlfühlen.
Vom Lernen zum echten Konto in vier StufenSchematische Treppe mit vier Stufen: Erst lernen, wie die Börse funktioniert und welcher Ansatz passt. Dann im Demokonto üben, mit derselben Software wie beim späteren Broker und in realistischer Größe. Dann im echten Konto mit kleinen Positionen die Abläufe prüfen. Erst danach Schritt für Schritt aufbauen, im eigenen Risikorahmen.1 · LernenBörse und Ansatzverstehen2 · Demokontogleiche Software,echte Größe3 · Echtes Kontokleine Positionen,Abläufe prüfen4 · AufbauenSchritt für Schritt,im RisikorahmenErst weiter, wenn die Stufe davor sicher sitzt – eine Abkürzung gibt es nicht.
Das Demokonto ist die zweite von vier Stufen: Es kommt nach dem Lernen und vor dem echten Geld. Schematische Darstellung. Quelle: eigene Darstellung, Carsten Umland.

Was sollten Sie im Demokonto üben?

Zwei Dinge: Ihren Ansatz und die Bedienung. Beides muss sitzen, bevor echtes Geld im Spiel ist.

  • Der Ansatz: Finden Sie mit Ihren Regeln die richtigen Aktien? Halten Sie Ihre Einstiegs- und Ausstiegsregeln ein? Wie sich das über mehrere Monate anfühlt, lesen Sie im Artikel Wie viel Zeit braucht Trading neben dem Job wirklich?.
  • Die Bedienung: Wo ist der Kauf-Button, wie stellen Sie eine Order ein, wie setzen Sie einen Stopp? Das muss so sicher sitzen, dass Sie es auch unter Anspannung fehlerfrei können.

Zwei Einstellungen machen dabei den Unterschied:

  • Dieselbe Software wie beim späteren Broker. Üben Sie nicht in irgendeinem Demokonto, nur weil es gerade kostenlos war. Sonst müssen Sie sich beim Wechsel ins echte Konto neu zurechtfinden – genau dann, wenn Sie es am wenigsten gebrauchen können. Das gilt übrigens auch, wenn Sie später den Broker wechseln: Neue Software heißt wieder zuerst Demokonto.
  • Dieselbe Größe wie Ihr späteres Konto. Ein Demokonto mit einer Million Spielgeld lehrt Sie nichts über ein echtes Depot mit einem Bruchteil davon. Stellen Sie das Kapital so ein, wie es später auch real sein wird.

Woran merken Sie, dass Sie bereit sind?

Wenn Ihr Ansatz im Demokonto verlässlich funktioniert – nicht, wenn eine bestimmte Zeit vergangen ist. Der Grundsatz ist einfach: Was Sie im Demokonto nicht können, können Sie mit echtem Geld auch nicht. Im Gegenteil, es wird eher schlechter.

Der häufigste Fehler ist Ungeduld. Nach zwei Monaten im Demokonto merkt jemand: Es funktioniert so halbwegs, aber nicht richtig. Und wechselt trotzdem ins echte Konto, in der Hoffnung, dass dort plötzlich eine Börsenfee um die Ecke kommt und alles besser läuft. Diese Fee gibt es nicht.

Wo liegen die Grenzen des Demokontos?

An zwei Stellen: im Kopf und in der Technik.

Die erste Grenze ist der Kopf. Mit eigenem Geld durchleben Sie ganz andere Gefühle – bei Verlusten wie bei Gewinnen. Typisch ist eine Psychologie, die genau verkehrt herum läuft: Gewinne werden früh mitgenommen („Was ich habe, das habe ich“), Verluste werden ausgesessen („Der Markt kommt schon wieder“). Im Demokonto passiert das kaum, weil nichts auf dem Spiel steht.

Die zweite Grenze ist die Technik. Im Demokonto werden Ihre Orders nicht im echten Markt ausgeführt. Es gibt kein echtes Orderbuch, in dem Ihre Order auf Käufer oder Verkäufer trifft. Viele Demokonten zeigen zudem nur zeitverzögerte Kurse.

Im echten Konto kann das zu bösen Überraschungen führen: Die Order wird gar nicht oder schlechter als erwartet ausgeführt, und der Trade ist sofort im Minus. Der Grund ist oft die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs.

Spread: Der Spread ist die Differenz zwischen dem Kurs, zu dem Sie kaufen können (Briefkurs, englisch Ask), und dem Kurs, zu dem Sie verkaufen können (Geldkurs, englisch Bid). Bei wenig gehandelten Aktien ist er oft deutlich größer.

Je kurzfristiger Sie handeln, desto mehr zählt die Ausführung. Bei einem Ansatz über Wochen fällt sie weniger ins Gewicht – aber auch dann lohnt es sich, Aktien mit dünnem Handel zu meiden. Das ist einer der Gründe für die Mindestkriterien im Artikel In 15 Minuten aussieben: Diese Grundkriterien filtern das Gros heraus.

Was passiert beim Wechsel ins echte Konto?

Oft kommt beides zusammen: Der Kopf spielt verrückt, weil es jetzt um eigenes Geld geht. Und die Ausführung ist anders als gewohnt. Wer die Mechanik dahinter nicht kennt, fragt sich dann: „Im Demokonto hat es doch funktioniert – warum jetzt nicht?“

Deshalb beginnen Sie im echten Konto klein. Mit kleinen Positionsgrößen sehen Sie, wie die Ausführung tatsächlich läuft und wie der Stopp greift, ohne dass ein Fehler viel kostet. Erst wenn das sitzt, bauen Sie die Größe Schritt für Schritt aus – immer so, dass das Risiko zu Ihrem eigenen Empfinden passt.

So gehe ich selbst vor

Ich vergleiche das Demokonto immer mit der Fahrschule. Niemand findet es seltsam, Autofahren erst unter Anleitung zu üben. An der Börse dagegen wollen viele sofort mit echtem Geld fahren – und bezahlen ihre ersten Fehler teuer.

In meinem Mentoring sehe ich am häufigsten die Ungeduld: Man ist ein, zwei Monate im Demokonto, es läuft halbwegs, und dann soll es mit echtem Geld besser werden. Das wird es nicht. Deshalb ist mein Rat immer derselbe: Erst muss es im Demokonto verlässlich funktionieren. Und zwar in derselben Software, mit der Sie später auch wirklich handeln, und mit einem Kapital, das Ihrem echten Konto entspricht.

Den Grundsatz „erst Demokonto“ wende ich übrigens nicht nur bei Einsteigern an: Wer den Broker wechselt und eine neue Software bekommt, übt zuerst wieder dort, bis jeder Handgriff sitzt.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Demokonto ist die Fahrschule fürs Trading: Sie üben, ohne Ihre Erfahrung mit echtem Geld zu bezahlen.
  • Reihenfolge: erst den Ansatz lernen, dann im Demokonto üben, dann im echten Konto klein beginnen und schrittweise aufbauen.
  • Üben Sie in derselben Software wie beim späteren Broker und mit einem realistischen Kapital.
  • Was im Demokonto nicht verlässlich funktioniert, funktioniert mit echtem Geld erst recht nicht.
  • Zwei Dinge zeigt das Demokonto nicht: Ihre Gefühle bei echtem Geld und die echte Ausführung samt Spread.

Häufige Fragen

Ist ein Demokonto sinnvoll?
Ja, als zweiter Schritt: nachdem Sie einen Ansatz gelernt haben und bevor Sie echtes Geld einsetzen. Im Demokonto prüfen Sie, ob Ihr Ansatz funktioniert und ob Sie die Abläufe in der Software sicher beherrschen – ohne Ihre Erfahrung teuer zu bezahlen.
Wie lange sollte ich im Demokonto üben?
So lange, bis Ihr Ansatz dort über verschiedene Marktphasen hinweg verlässlich funktioniert – nicht nach einer festen Anzahl von Wochen. Wer nach zwei Monaten merkt, dass es nur halbwegs klappt, und trotzdem wechselt, hofft auf eine Verbesserung, die es nicht gibt. Mit echtem Geld wird es eher schlechter.
Was kann ein Demokonto nicht?
Es zeigt Ihnen nicht, wie Ihr Kopf mit echtem Geld reagiert, und es führt Ihre Orders nicht im echten Markt aus. Deshalb sehen Sie dort weder Ihre eigenen Emotionen bei Verlust und Gewinn noch die tatsächliche Ausführung und die Spanne zwischen Kauf- und Verkaufskurs.
Warum ist mein Ergebnis im echten Konto schlechter als im Demokonto?
Meist aus zwei Gründen: Mit echtem Geld reagieren Sie anders, etwa indem Sie Gewinne zu früh mitnehmen und Verluste zu lange laufen lassen. Und im echten Markt kostet die Ausführung Geld, weil Sie zum Kaufkurs kaufen und zum Verkaufskurs verkaufen. Diese Spanne zeigt das Demokonto oft nicht realistisch.

Keine Anlageberatung. Dieser Artikel vermittelt Wissen über ein methodisches Vorgehen und ist keine Empfehlung zum Kauf oder Verkauf von Wertpapieren. Der Handel mit Wertpapieren ist mit Risiken verbunden. Kursverluste bis zum Totalverlust des eingesetzten Kapitals sind möglich. Risikohinweis

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